VI.

by Bruno Ertler (1889–1927) · 1919 German

Daß wir uns heute — heute erst fanden — —
Wie nenne ich sie mit brennenden Namen,
die es verschuldet!
Wie treff' ich uns mit zorniger Klage,
die wir's geduldet!
Denn was in uns beiden heute nach Offenbarung drängt,
das hat sich vor Jahrmillionen in schaffenden Keimen vermengt.

Ich bin das erfüllte Umschlingen
und du das bereite Warten,
ich bin dir Sonne und Regen
und du die Erde im Garten —.

Durch hundert blühende Tage
und tausend Nächte voll Leid
sind wir zu Menschen geworden
mit Grauen und Seligkeit —

und liefen aus fremden Weiten
in eine Spitze zusammen
und lodern aus feindlichen Polen
in einiger, jauchzender Flamme —! (S. 50)
_____

More poems by Bruno Ertler

  • Abend

    Hinter blauen Bergen
    glüht der Abend aus.
    Segen sinkt hernieder …
  • Abschied

    — — — — — — —
    und nun leb’ wohl —.
    Noch einmal deine Hand — …
  • Begegnung

    Führte zu dir mich des Zufalls Spiel,
    oder war es ein Gott mit Willen und Ziel?
    Ich mag nicht fragen; ich weiß es nicht. …
  • Bitte

    Senke mir die Rosenkrone
    tief in meine Stirne. —
    Sehnsucht ließ zu dir mich finden …

All poems by Bruno Ertler →