Verlangen

by Georg Scheurlin (1802–1872) · 1858 German

An deinen Busen laß mich sinken,
Die Alpenrosen unter'm Schnee
Im Kusse pflücken, laß mich trinken
Aus deiner Augen tiefem See;

Laß meine Blicke sich verklären
In jener Sterne sel'ger Schau;
Laß mich verglüh'n in ihren Sphären,
Wie in der Lilie stirbt der Thau.

O süßes, seliges Versiegen! -
Doch süß'rer Taumel, traumbewußt
Der Sehnsucht leisen Kahn zu wiegen
Auf jeder Welle deiner Brust!

Du aber ziehst - ein Lenz voll Blüthen,
Zu Füßen liegt dir jede Huld, -
Ein Eden, das die Engel hüten -
Und mein Verlangen nennst du Schuld. (S. 150)
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