Vergeblich

by Isabelle Kaiser (1866–1925) · 1917 German

Sie sagen, der Frühling komm' über Land
Und schließe die alten Wunden.
Da bin ich bebend heut aufgewacht -
Das Heil hab' ich nicht empfunden.

Sie sagen, er schreite lachend durchs Land,
Verschwende Veilchen und Lieder.
Da zog ich hinaus, und mit leerer Hand
Kehrt' müd ich am Abend wieder.

Sie sagen, er flieg' in die Kammer hinein,
Daß heiß die Wangen sich färben -
Ich öffnete sehnend mein Fensterlein,
Ein Windstoß schlug es in Scherben. (S. 13)
_____

More poems by Isabelle Kaiser

  • Abschied

    Tief im Winterrahmen
    Leuchtet mir dein Bild.
    Als wir Abschied nahmen, …
  • Ahnung

    - Und jäh durchzuckt ein Angstgefühl
    Mein Herz - wie soll ich's nennen?
    Der Wind so kalt, das Grab so kühl, …
  • Alte Weise

    Ich spiel' die alten Lieder
    Aus sehnsuchtsheißem Drang -
    Da hör' ich plötzlich wieder …
  • Brief

    Nicht ungeschrieben soll es bleiben,
    Kommt es auch nie in deine Hand;
    Was ich verschwiegen, laß mich schreiben, …

All poems by Isabelle Kaiser →