Threnen in schwerer Kranckheit

by Andreas Gryphius

ICh bin nicht der ich war / die Kräffte sind verschwunden /      Die Glider sind verdörr’t / als ein durchbrandter Grauß:      Mir schauwt der schwartze Tod zu beyden Augen auß / Ich werde von mir selbst nicht mehr in mir gefunden.

5
Der Athem wil nicht fort / die Zunge steht gebunden /

     Wer siht nicht / wenn er siht die Adern sonder Mauß      Die Armen sonder Fleisch / daß diß mein schwaches Haus Der Leib einbrechen wird / noch inner wenig stunden.      Gleich wie die Wiesen Blum lebt wenn das Licht der Welt

10
     Hervor bricht / vnd noch ehr der Mittag weggeht / fällt;

So bin ich auch benetzt mit Threnentau ankommen.      So sterb ich vor der Zeit. O Erden gute Nacht!      Mein Stündlein laufft zum end / itzt hab ich außgewacht Vnd werde von dem Schlaff deß Todes eingenommen.