Steine am Meeresstrand

by Joachim Ringelnatz

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Steine am Meeresstrand

Steine schaumumtollt, Zornig ausgerollt Über Steine. – Freiheit, die ich meine,

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Gibt es keine.

Stille nun. Entbrandet Ruht ihr, feucht umsandet,

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Unzählbar gesellt,

Von der Zeit geschliffen

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Oder kampfentstellt. –

Alle von der Welt Lange rauh begriffen, Schweigt ihr. – Ihr begreift die Welt. Wie ich euch sortiere,

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Spielerisch verführt:

Früchte, Götzen, Tiere, Wie es Phantasie so legt, Habt ihr in mir aufgerührt, Was seit Kindheit mich bewegt.

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Spitze, trübe, glatte, reine,

Platte, freche, winzig kleine, Ausgehöhlte, fette Steine, Plumpe, schiefe, trotzig große – Ja ihr predigt ernst wie froh,

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Meistens simpel, oft apart,

Weit umgrenzte, willenlose Freiheit. – Predigt ebenso Fromm wie hart.

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