Ständchen

by Franz Hessel (1880–1941) · 1999 German

Hinter den Bäumen
Im Gemache
Schlummernde auf den kindlichen Kissen,
Du sollst nicht träumen,
Daß ich noch wache
In deinem Garten, - sollst du nicht wissen.

Nicht soll dich schwimmender
Dämmer erkennen,
Die helle Sonne soll dich wecken.
Nie soll ein glimmender
Funke dich brennen,
Die hohe Flamme wird dich nicht schrecken.

Dämmerung weil ich
Vor deinen Türen,
Ich bin die Nacht an deinen Wangen,
Die du zu heilig
Meinem Berühren,
Die du zu licht meinem dunklen Verlangen.

Weicht, Nachtwinde,
Von ihrem Haare,
Schlummer, verwahre sie im Gemache.
Nie empfinde,
Was ich erfahre,
Du sollst nicht wissen, daß ich noch wache. (S. 39)
_____

More poems by Franz Hessel

  • Abschied

    Wir wollen von einander gehn,
    Du liebende, verweinte Braut.
    Wir sind nicht froh, wir sind nicht schön. …
  • Am Abend, da die Lüfte vergingen

    Am Abend, da die Lüfte vergingen
    Und atmeten, als könnten sies nicht fassen,
    Hast du die Hände beide mir gelassen, …
  • An Psyche

    Dich trugen Wogen wunderlich
    Geschwind und weich aus Sturz und Tod
    Herüber in das Uferschilf - …
  • Bahnhof

    Das ist der Raum von Stein und Stahl;
    Auf starren Eisenschienen steht
    Der schwarze Zug. An unser Herz …

All poems by Franz Hessel →