Sie an Ihn. Auf einer Herbstreise

by Agnes Gräfin zu Stolberg

Der Abend sinkt,
Kein Sternlein blinkt,
Am Himmel winkt
Der Mond uns nicht
Mit mildem Licht.

Die Nacht ist kalt;
Der Hohlweg schallt;
Es saust der Wald,
Es rauscht der Bach
Mir Schauer nach.

Ich schließe mich
Gar ängstiglich,
Mein Freund an dich;
O küsse du
Ins Herz mir Ruh'!

So wall' ich gern,
Von allen fern,
Auch ohne Stern:
Wenn nur bei Nacht
Die Liebe wacht.

aus: Musenalmanach (Hamburger) 1784
zitiert aus: Friedrich Leopolds Grafen zu Stolberg
erste Gattin Agnes geb. von Witzleben
Ein Lebensbild aus der Zeit der Empfindsamkeit
Von Otto Hellinghaus
Köln 1919 (S. 22)

More poems by Agnes Gräfin zu Stolberg

All poems by Agnes Gräfin zu Stolberg →