Shakespeare’s Strumpf

by Theodor Fontane

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Shakespeare’s Strumpf.

(Bei Gelegenheit eines Leipziger Festes, wo man mit einer Schillerschen Weste Götzendienst trieb.) Hochgesprungen, lautgesungen!      Wenn verschimmelt auch und dumpf, Sei’s! wir haben ihn errungen,      William Shakespeare’s wollnen Strumpf.

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Sieg! wir haben jetzt die Strümpfe,

     Haben jetzt das heil’ge Paar, Drinnen er trotz Moor und Sümpfe      Sicher vor Erkältung war.

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Sieg! wir huld’gen jetzt dem Strumpfe,
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     Der der Strümpfe Shakespear’ ist,

Denn er reicht uns bis zum Rumpfe,      Weil er fast zwei Ellen mißt. Sieg! wir haben jetzt die Strümpfe,      Dran er putzte, wischte, rieb

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Manchesmal die Federstümpfe,

     Als er seinen Hamlet schrieb. Drum wer je ein Lied geleiert,      Wenn er sich nicht lumpen läßt, Singt Oktaven er, und feiert

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     Unser nächstes Shakespearefest.

Unsren Enkeln wird man melden:      „Euer Ahn, daß ihr es wisst, War auch Einer von den Helden,      Die den Shakespeare-Strumpf geküsst.“

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Drum herbei was Arm’ und Beine,

     Unsrer harret schon Triumph, Und dem Shakespeare-Strumpf-Vereine      Helfen so wir auf den Strumpf.

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