Sehnsucht eines Liebenden

by Aloys Blumauer (1755–1798) · 1862 German

Immerdar mit leisem Weben
Schwebt dein süßes Bild vor mir,
Und ein liebesehnend Beben
Zittert durch die Seele mir.

Weg aus deinem Zauberkreise,
Wo du mich so fest gebannt,
Zog durch eine weite Reise
Mich die Freundschaft auf das Land.

Hier im Mutterarm der schönen,
Allerfreuenden Natur,
Fehlt zum Allgenuß des Schönen,
Herrliche, dein Kuß mir nur.

Halbgenossen glitscht die Freude
Ueber meinem Herzen hin,
Die Natur im Frühlingskleide
Seh' ich nur mit halbem Sinn.

Todt sind ohne dich die Fluren,
Eine Wüste die Natur,
An den Bäumen find' ich Spuren
Meiner heißen Sehnsucht nur.

 Wenn ein liebesehnend Drücken
Mich hinaus ins Freie zieht,
Such' ich oft des Berges Rücken,
Der dich meinem Aug' entzieht;

Bleibe dann, wie eine Büste,
Starr nach dir hinsehend, steh'n,
Seh' und seh', und mein', ich müßte
Dich zu mir herüber seh'n;

Aber, still heraufgegangen
Kommt der Mond statt deiner dann,
Und ein inniges Verlangen
Flammt in meiner Brust sich an.

Hin, ach, hin zu seinen Höhen
Möcht' ich fliegen, und auf dich,
Ach, auf dich herniedersehen,
Und herniederschwingen mich.
(Band 2 S. 198-199)
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