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    Seh' ich Deine zarten Füßchen an,
    So begreif' ich nicht, Du süßes Mädchen,
    Wie sie so viel Schönheit tragen können!

    Seh' ich Deine kleinen Händchen an,
    So begreif' ich nicht, Du süßes Mädchen,
    Wie sie solche Wunden schlagen können!
    ...

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    Seit deiner Augen Himmelsglanz
    Mir in das Herz gestossen,
    Hat sich das Weltgeheimniß ganz
    Dem innern Blick erschlossen.

    Was dunkel war in Raum und Zeit,
    Ist nun in Licht verschwunden,
    Ich habe die ewige Seligkeit
    Genossen in...

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    Sie wühlte in den Tönen
    Und spielte und sang mir vor,
    Es scholl der Gesang der Schönen
    Gar wundersam in mein Ohr.

    Bald klang's wie laute Mahnung
    Vergang'ner, schöner Zeit,
    Und bald wie leise Ahnung
    Zukünft'ger Seligkeit....

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    Sing, mit Sonnenaufgang singe,
    Nachtigall, dein schmetternd Lied!
    Sing, so lange noch der Frühling
    Blumig Wald und Flur durchzieht!

    Sing der Schöpfung bunte Schöne,
    Sing was blühet, fließt und lebt;
    Glücklich ist, wen deiner Töne
    ...

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    Wir haben nicht Ringe gewechselt,
    Das Herz zu legen in Banden;
    Wir haben nicht Phrasen gewechselt,
    Und haben uns doch verstanden.

    Wir haben nicht Eltern, noch Sippen
    Dabei zu Rath gezogen -
    Es haben Herzen und Lippen
    Alleine Rath...

  •   Wir wandeln Alle den Weg zur Gruft
    Im Kampf mit Sorg' und Erdennoth,
    Wir athmen Alle dieselbe Luft,
    Wir essen Alle dasselbe Brot:

    Nur Liebe überblüht die Kluft,
    Die zwischen Sein und Nichtsein droht,
    Daß, wie gepflückter Blumen Duft,
    ...

  • Anmuth gürtet deine Lenden,
    Schönheit blüht um deine Glieder;
    Schultern, die vor Weiße blenden,
    Ziehen dunkle Locken nieder.
    Wenn in deine Zauberkreise
    Mächtig mich dein Auge zieht:
    Zürne nicht, daß ich dich preise,
    Hochbeseligte! im Lied.

    Wenn der junge Frühling wieder...

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    Deine Liebe ist mein Himmel,
    Den ich schon auf Erden gewann!
    Es hängen sich meine Lieder
    Als goldene Sterne daran -
    Als goldene, leuchtende Sterne,
    Noch heller, als die drüben:
    O, möge nimmermehr
    Sich dieser Himmel trüben!

    ...

  •   Die Rebe dehnt sich sonnenwärts,
    Nach Liebe sich das Menschenherz:
    Wem Licht und Liebe bleibt verloren,
    Der wäre besser nie geboren!

    Aus: Aus dem Nachlasse Mirza Schaffy's.
    Neues Liederbuch mit Prolog...

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    Ein Bettler klopft' bei dir an
    Um einen Kuß - du gabst ihn mir!
    Ein Bettler kehrt' ich ein bei dir,
    Und kam hervor ein reicher Mann,
    So reich am höchsten Glück der Welt,
    Daß alles Gold und alles Geld
    Nicht solche Schätze kaufen kann!
    ...