Schöne Meßnerin

by Peter Cornelius

Schöne Meßnerin! Holde Führerin Durch die Kirche unsrer lieben Frauen! Eh' von hier ich schied, Will ich diesem Lied Einen flücht'gen Gruß an dich vertrauen. Mit beredtem Mund Gabest du mir kund, Wer die schönen Bilder all ersonnen, Zogst mein Augenmerk Auf manch Meisterwerk, Auf viel hohe Heil'ge und Madonnen. Doch die Ruhe, traun! Fehlte mir zum Schau'n, Seit so lieblich du vor mich getreten; Sah mit halbem Sinn Nach den Heil'gen hin, All mein Schau'n war ein zerstreutes Beten. Denn die Heil'gen dein Sind von Holz und Stein, Wie sie hoch die Seele auch erheben; Deiner Stimme Klang, Und dein Blick, dein Gang War so voll von Reiz und regem Leben! Stolz mein Silberstück Wiesest du zurück, Wolltest kaum der Gabe dich bequemen; Aber Liedersold Ist nicht Geld und Gold, Wirst ihn dankend, wirst ihn lächelnd nehmen. Schöne Meßnerin! Wenn ich ferne bin, Soll dein Angedenken nicht verfliegen; Oft noch denk' ich dein Und der Ringelein, Die sich schelmisch an die Wange schmiegen. Schöne Meßnerin! Wenn ich ferne bin, Mög'st auch du Erinn'rung noch mir schenken, Wenn die Glocke klingt, Hell ihr Ave singt, Manchmal im Gebete mein gedenken. (S. 10-11)

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