William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Wie kann ich wiederkehren doch in Pracht,
    Da mir des Schlummers nöth’ge Wohlthat fehlt,
    Wenn Tages Leiden lindert nicht die Nacht,
    Und Nacht den Tag, die Nacht der Tag stets quält?
    5 Und beide, ob sie gleich sich Feinde nennen,
    Vereinigen zu meiner Qual sich...

  • Zum Lager eil’ ich, matt von schweren Müh’n,
    Die nöth’ge Ruh’ dem müden Leib zu geben;
    Doch auf die Reise die Gedanken zieh’n,
    Der Geist wird wach, wenn stirbt des Körpers Streben.
    5 Die Phantasie zu dir nach weiter Ferne
    In eifrig frommer Pilgerfahrt dann...

  • Herr meiner Liebe, dem zur Lehnbarkeit
    Dein hoch Verdienst macht meine Pflicht zu eigen,
    Geschriebnes Wort hab’ ich dir hier geweiht,
    Die strenge Pflicht, und nicht den Witz zu zeigen.
    5 So große Pflicht, – die freilich nur als klein
    Mein armer Witz zeigt, dem...

  • Laß dem, den nie der Sterne Gunst betrogen,
    Der Ehren und der Titel eiteln Tand;
    Indeß ich, dem das Schicksal dies entzogen,
    In stiller Freude lebe unbekannt.
    5 Des Fürsten Günstling zeigt sein leeres Glück
    Nur wie im Sonnenstrahl die Ringelblume,
    Und in...

  • Wenn außer Gunst bei Menschen und Geschick
    Ich einsam ganz mein schweres Loos beweine,
    Und send’ umsonst empor den fleh’nden Blick,
    Und mir zum Unglück auserkoren scheine;
    5 Mißgünstig Jenes frohe Zukunft schau’,
    Dem Andern seine Freund’ und Reichthum neide,...

  • Mein Auge ist der Maler, der dein Bild
    Voll Schönheit in des Herzens Tafel gräbt.
    Mein Körper ist der Rahmen, der’s umhüllt,
    Durch Perspective wird die Kunst belebt.
    5 Es führt der Weg durch meine Brust allein
    Zu schauen, wo dein treues Bildniß liegt,
    ...

  • So wie ein schlechter Spieler auf der Bühne,
    Der voller Furcht aus seiner Rolle fällt,
    Und wie ein Heft’ger mit ergrimmter Miene,
    Den zu viel Kraft in strengen Fesseln hält:
    5 So auch vergess’ aus Furcht ich selbst zu sagen
    Der heißen Liebe voll Huldigung;...

  • Mein Spiegel soll nicht sagen, ich sei alt,
    So lange Jugend sich mit dir vermählt;
    Doch wenn das Alter dich mit Furchen malt,
    Dann erst der Tod auch meine Tage zählt.
    5 Denn alle Schönheit, die dich jetzt umschwebt,
    Ist einzig meines Herzens Strahlenschein,...

  • Mir geht’s nicht so, wie es die Muse macht,
    Die zum Gedicht gemalte Schönheit treibt,
    Die von dem Himmel holt des Schmuckes Pracht,
    Zu ihrer alle Schönheit noch beschreibt;
    5 Die stolze Bilder auf einander häuft,
    Von Erd’ und Meeresperlen, Sonn’ und Mond,...

  • Ein Frau’ngesicht gemalt von der Natur
    Hast du, o Meister-Meistrin meiner Lust;
    Ein zartes Frauenherz, das nie die Spur
    Von Falschheit kannte, schlägt in deiner Brust;
    5 Und hellre Augen ohne falschen Blick,
    Vergoldend Alles, was sie sich betrachten;
    Der...