William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Wie kann ich Stoff zum Singen je entbehren,
    So lange du noch athmest, dem Gesang,
    Den eignen süßen Inhalt zu gewähren,
    Zu herrlich weit für niedern Liedes Klang?
    5 O gieb dir selbst den Dank, wenn irgend wann
    Du Lesenswerthes fandst, was ich gedichtet,
    ...

  • So wie mit Freuden seinen tücht’gen Sohn
    Der greise Vater kräftig handeln sieht,
    So mir, gelähmt durch Schicksals ärgsten Hohn,
    Aus deinem Werth und Gradsinn Trost erblüht;
    5 Denn ob Geburt, ob Schönheit, Reichthum, Witz,
    Ob dieser einem, allen, andern noch...

  • Getrennt laß stets uns sein, ich muß es sagen,
    Ob unsre Lieb’ auch ungetheilt mag sein;
    So werde dann die Flecken ich nur tragen,
    Die Last sei ohne deine Hülfe mein.
    5 Es bleibet unser Lieben stets verbunden,
    Ob schwer auch Trennung unser Leben drückt;
    ...

  • Bekümmre dich um was du thatst nicht mehr!
    Die Ros’ hat Dornen, Schmutz die Silberquellen,
    Verfinst’rung schmäht die Sonn’, und Wolkenheer,
    Der Sturm die Knospen, die am schönsten schwellen.
    5 Jedweder fehlt; und eben hierin ich,
    Gutheißend deinen Fehl durch...

  • Wie kann ich deinen Werth nach Würden singen,
    Da du der bessre Theil ja bist von mir?
    Was kann mein eignes Lob mir selber bringen?
    Mich preis’ ich ja, wenn Lob ich singe dir.
    5 Laß darum schon getrennt uns Beide leben,
    Verzichten uns, durch Liebe eins zu sein,...

  • Warum versprachst du solchen schönen Tag,
    Daß ohne Mantel ich mich fortgewagt,
    Da Wolken mich ereilten, die mit Schmach
    Die Schönheit häßlich dir verhüllt in Nacht?
    5 Nicht hilft’s, daß du die Wolken jetzt durchbrochen,
    Und trocknest mir mein sturmgepeitscht...

  • Wohl manchen schönen Morgen sah ich glüh’n,
    Mit königlichem Auge Berge grüßen,
    Küssend mit goldnem Blick der Wiesen Grün,
    Mit Himmelszauber Gold auf Ströme gießen;
    5 Doch bald verhüllten niedre Wolken ihn,
    In eklem Schleier bergend sein Gesicht,
    Die der...

  • Erlebst du meiner Tag’ ersehntes Ziel,
    Wenn mein Gebein mit Staub der Tod vereint,
    Und dir durch Zufall in die Hände fiel:
    Dies arme, rohe Lied vom todten Freund,
    5 Vergleich’ es mit der Zeiten Weitergang;
    Obgleich es übertrifft der Andern Singen,
    Um...

  • Dein Herz ist theuer vieler Menschen Brust,
    Die, weil ich sie entbehret, todt geglaubt;
    Dort herrscht die Liebe und der Liebe Lust,
    Die Freund’ auch, die ich hielt vom Grab geraubt.
    5 Wie manche Thrän’, als reine fromme Gabe,
    Hat treue Liebe nicht entlocket mir...

  • Wenn vor die Schranken meiner stillen Brust
    Ich fordre die Erinn’rung alter Zeit,
    Bewein’ ich manchen schmerzlichen Verlust,
    Dem alten Schmerz wird neue Klag’ geweiht.
    5 Dann strömt mein Auge, Thränen ungewöhnt,
    Um treue Freunde, die der Tod verhüllt, –
    ...