William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Beschuld’ge mich, daß karg ich konnte sein,
    Dir deine reichen Gaben zu erstatten,
    Daß ich vergaß, die Huld’gung dir zu weih’n,
    Die theure Bande stets erheischet hatten;
    5 Daß ich bei dunkeln Wesen oft verweilet,
    Vergeudet hab’ dein theu’r erkauftes Recht;...

  • Laß nicht, wo treue Seelen sich verbunden,
    Einspruch gescheh’n. Nicht Liebe wird genannt,
    Was wechselt, gleich wie Wechsel es gefunden,
    Dem Störer zur Zerstörung bietet Hand.
    5 O nein! sie ist das Licht in Himmelsweiten,
    Das unerschüttert auf die Stürme blickt...

  • Es lügt das Wort, das einst ich dir geschrieben:
    „Nie könnte heißer meine Liebe sein!“
    Ich wüßte nicht, welch Grund mir sei verblieben,
    Daß meine Flamme glüh’ mit hellerm Schein.
    5 Doch wenn die Zeit, an Zufallslaunen reich,
    Gelübde bricht und fürstlich...

  • Weh’, welch’ ein Aug’ hat Liebe mir verlieh’n,
    Dem, was die Andern schau’n, so kann entgeh’n?
    Wenn recht sie seh’n, wo floh mein Urtheil hin,
    Das falsch beurtheilt, was sie richtig seh’n?
    5 Wenn schön das, was mein irrend Aug’ entzückt,
    Was tadelt dann die Welt...

  • Mein Lieben gleicht dem Fieber, strebend immer
    Nach dem, was Stoff der Krankheit muß verleih’n;
    Es lebt von dem, was macht die Krankheit schlimmer,
    Folgend dem fiebrischen Gelüst allein.
    5 Vernunft, der Arzt der schweren Liebespein,
    Voll Zorn, daß man nicht...

  • Des sünd’gen Leibes Mittelpunct, o Seele,
    Genarrt durch deiner trotz’gen Diener Pracht,
    Wie duldest du’s, daß dir die Nahrung fehle,
    Da, so geschmückt, die äußre Hülle lacht?
    5 Da du so arm, warum so viel verwenden
    Auf des baufäll’gen Hauses äußern Schein?...

  • Dem Mund, auf dem die Liebe blühte,
    Entfloh das bittre Wort: „ich hasse“,
    Zu mir, der schmachtend nach ihr glühte.
    Doch sieht sie kaum, daß ich erblasse,
    5 Als Mitleid schnell durchzieht ihr Herz;
    Sie straft die Zunge, welche zart
    Sonst nur gewohnt war...

  • Kannst, grausam, sagen du, ich lieb’ dich nicht,
    Da deine Seit’ ich nehme gegen mich?
    Denk’ ich nicht dein, wenn gegen mich die Pflicht
    Ich selber mir verweigre, nur für dich?
    5 Wer hasset dich, der mir noch Freund geblieben?
    Wem zürnst du, dem ich zugewandt...

  • Zwei Wesen sind’s, voll Trost und Zweifels Bann,
    Die, Geistern gleich, mich führen durch die Welt,
    Der beßre Engel ist ein schöner Mann,
    Der bösre Geist ein Weib, von Farb’ entstellt,
    5 Das Sündenweib, um mich zur Höll’ zu raffen,
    Lockt meinen bessern Geist von...

  • Wie eine Hausfrau sorglich eilt, zu fangen
    Ein Federvieh, das fort ihr ist gerannt,
    Ihr Kind hinsetzt, um hurtig zu erlangen
    Das Wesen, das ihr Eigenthum genannt,
    5 Während ihr ungehütet Knäblein schreit,
    Daß bei ihm bleibe sie, die voller Sorgen,
    Der...