Phyllis an Damon

by Ewald Christian von Kleist (1715–1759) · 1778 German

Ja, liebster Damon, ich bin überwunden!
Ich fühl', ich fühle, was dein Herz empfunden!
Mich zwingt die Dauer deiner starken Liebe
Zu gleicher Liebe.

Als ich die Hand jüngst, die dein Auge deckte,
Vorwitzig fortriss: Himmel! was erweckte
Dein schönes Auge, nass von stillen Schmerzen,
In meinem Herzen!

Ich floh und weinte, warf am Bach mich nieder.
Ein heftig Feuer drang durch meine Glieder.
Ach! ewig werden diese Flammen währen,
Die mich verzehren.

Komm, treuster Damon! den ich mir erwähle!
Auf meinen Lippen schwebt mir schon die Seele,
Um durch die deinen, unter tausend Küssen,,
In dich zu fliessen. (S. 33-34)
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