Die Heilung
Ein kleines Kind mit Flügeln,
Das ich noch nie gesehen,
Kam jüngst mit leichten Schritten
In Doris Bluhmengarten.
Es irrt' in allen Hecken,
Und sah nach allen Beeten,
Und pflückte Rosenknospen,
Und haschte Schmetterlinge,
Die um die Rosen buhlten,
Und strich die goldnen Stäubchen
Von den gesprengten Flügeln.
Itzt wollt' es wieder haschen,
Und hob die Hand behutsam,
Und griff, und zischte plötzlich,
Und zog sie schnell zurücke.
Ein Dorn vom Stamm der Rosen
Stach ihm den zarten Finger.
Es schwang die Hand vor Schmerzen,
Und sahe nach der Wunde,
Und machte saure Mienen.
Ich lauscht' ihm gegenüber
Bey Doris in der Laube,
Und lachte seiner Mienen.
Schnell nickt' es mit dem Kopfe,
Und sagte leise: Spötter,
Weisst du wie Wunden schmerzen?
Du sollst es bald erfahren.
Es zielte mit dem Bogen,
Und eh ich mirs versahe,
Sass mir der Pfeil im Herzen.
O! wie ward mir zu Muthe!
Ich sank vor Schmerzen nieder,
Und dachte schnell zu sterben.
Doch Doris, meine Taube,
Entzog den Pfeil der Wunde,
Und salbte sie mit Salben,
Und streichelte sie zärtlich:
Und so ward ich geheilet.
Hinfort will ich des Kindes,
Diess weiss ich, nicht mehr spotten,
Wenn ich es wieder sehe;
Hätt' mich die schöne Doris
Aus Mitleid nicht geheilet,
So wär' ich schon gestorben. (S. 39-40)
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Das ich noch nie gesehen,
Kam jüngst mit leichten Schritten
In Doris Bluhmengarten.
Es irrt' in allen Hecken,
Und sah nach allen Beeten,
Und pflückte Rosenknospen,
Und haschte Schmetterlinge,
Die um die Rosen buhlten,
Und strich die goldnen Stäubchen
Von den gesprengten Flügeln.
Itzt wollt' es wieder haschen,
Und hob die Hand behutsam,
Und griff, und zischte plötzlich,
Und zog sie schnell zurücke.
Ein Dorn vom Stamm der Rosen
Stach ihm den zarten Finger.
Es schwang die Hand vor Schmerzen,
Und sahe nach der Wunde,
Und machte saure Mienen.
Ich lauscht' ihm gegenüber
Bey Doris in der Laube,
Und lachte seiner Mienen.
Schnell nickt' es mit dem Kopfe,
Und sagte leise: Spötter,
Weisst du wie Wunden schmerzen?
Du sollst es bald erfahren.
Es zielte mit dem Bogen,
Und eh ich mirs versahe,
Sass mir der Pfeil im Herzen.
O! wie ward mir zu Muthe!
Ich sank vor Schmerzen nieder,
Und dachte schnell zu sterben.
Doch Doris, meine Taube,
Entzog den Pfeil der Wunde,
Und salbte sie mit Salben,
Und streichelte sie zärtlich:
Und so ward ich geheilet.
Hinfort will ich des Kindes,
Diess weiss ich, nicht mehr spotten,
Wenn ich es wieder sehe;
Hätt' mich die schöne Doris
Aus Mitleid nicht geheilet,
So wär' ich schon gestorben. (S. 39-40)
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