Philosophie der Liebe

Mag, wer will, ergrübeln und erklären,
Was das Herzensräthsel, Liebe, sey.
Nennt es blinde Sinnenschwärmerey!
Nennt es einen Flug in höh're Sphären!

Ist es dieß: so will ich gern entbehren,
Was ihr wißt. Ich misse nichts dabey.
Ist es jenes; o so mag der May
Dieses Wunderhimmels ewig währen.

Hört, ihr Weisen, was ihr noch nicht wißt!
Wallen Seelen in einander über,
Ist's nicht Eine, die ihr Glück ermißt.

Aber wenn mein Mund ein leises: "Lieber!"
Psychens Munde schwärmerisch entküßt,
Wissen Wir, was Lieb' und Himmel ist.

Aus: Fridrich Bouterwek's Gedichte
Neueste Auflage Wien 1820
Bey B. Ph. Bauer

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Collection: 
1820

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  • Ein Fragment

    Wer hat zuerst von unsern weisen Thoren
    Die Hoffnung letzte Trösterinn genannt?
    Er hatte Hab' und Gut vielleicht verloren;
    Verlust der Liebe hat er nie gekannt.
    Mir sprossen, blüh'n und welken keine Blüthen....

  • Es wuchs für mich ein Baum empor;
    Er hieß der Baum der Liebe.
    In seinem Schatten blühte mir
    Ein Himmel süßer Zuversicht
    Und nahmenloser Freude.

    Und dieser Baum, er ist dahin,
    Dahin mit Blatt und Blüthe.
    ...

  • Ein Kuß von meinem Mädchen
    Enthebt mich aller Sorgen.
    Er ruft den lichten Morgen
    Um Mitternacht hervor.
    Er zaubert Lilj' und Rose
    Aus dürrem Felsenmoose.
    Er zaubert mir Palläste
    Aus Stroh und Binsenrohr....

  • Was singst du mich mit Zauber-Melodien
    In neuen Schlummer ein?
    Die Schuld, die Schuld ist dein,
    Wenn nun mich alle Lebensfreuden fliehen.
    O, laß den Leidenden mit seinem Schmerz allein!

    Bestreue mit zerriss'nen Rosenblättern...

  • Wirklich, wirklich, bist du schon verschwunden,
    Meines Lebens holder, schöner May?
    Eh' ich noch mir einen Kranz gewunden,
    Ist die Zeit der Blumen schon vorbey?

    War es das, was ich von Liebe träumte?
    Als ich in der Hoffnung...