Die Dämmerungsfeyer

by Friedrich Bouterwek (1766–1828) · 1820 German

Das war ein Kuß!  Mit Jahren, freudenlos
Und düster, würd' ich ihn nicht theuer büßen,
Ich saß im Dämmerlicht zu ihren Füßen,
Und drückte mein Gesicht in ihren Schooß.

Wie ward in meiner Brust mein Herz so groß!
So fühlte sich vielleicht, als ihn die süßen
Erscheinungen zum Gott sich träumen ließen,
Endymion auf seinem Schlummermoos.

Sie spielte still mit meinen wüsten Locken.
Ich drückte meinen Arm um ihre Knie',
Und sah empor, begeistert und erschrocken.

Ich fragt' ihr Aug', und Psyche, Psyche, sie,
Sie senkte sich auf meine Lippen nieder,
Und Arm' in Armen fanden wir uns wieder.

Aus: Fridrich Bouterwek's Gedichte
Neueste Auflage Wien 1820
Bey B. Ph. Bauer
(S. 52)
_____

More poems by Friedrich Bouterwek

  • Abelard an Heloise

    So ist doch auf ewig nicht verloren,
    Der Myrtenkranz, den unsre Liebe wand?
    So reicht mir aus geweihten Klosterthoren …
  • An die Muse der Liebe

    Was singst du mich mit Zauber-Melodien
    In neuen Schlummer ein?
    Die Schuld, die Schuld ist dein, …
  • Der Baum der Liebe

    Es wuchs für mich ein Baum empor;
    Er hieß der Baum der Liebe.
    In seinem Schatten blühte mir …
  • Der Kuß

    Ein Kuß von meinem Mädchen
    Enthebt mich aller Sorgen.
    Er ruft den lichten Morgen …

All poems by Friedrich Bouterwek →