Phantasieengemälde
Im Mondenschein, der was das Herz verborgen, In schönen Träumen wunderbar enthüllt, Weil’ ich allein, ein Raub von düstern Sorgen, Von Lieb’ und Gram die bange Brust erfüllt;
Sie bringt, Geliebte, mir dein holdes Bild. Voll Seeligkeit und voll von tausend Schmerzen, Heg’ ich es liebend an dem wunden Herzen. Es lächelt mir, es lispelt süße Töne,
Dem Aug’ entquillt der heissen Liebe Thräne, Der Odem weht, wie linde Zephyretten. Voll Lieb’ und Huld, in göttergleicher Schöne, Mich aus der Sehnsucht Labyrinth zu retten,
Und Thatenkraft in jedem Kuß zu geben. [56] Mit jedem Kuß fühl’ ich ein Feuermeer Allmächtig in mein Innres sich ergießen, In Zauberfarben prangt die Welt umher,
Die Menschen sind’s, die vorigen, nicht mehr, Die treulos mich in meinem Schmerz verließen. Die Menschheit fließt, entglüht von heil’gen Flammen, In eine göttliche Gestalt zusammen.
Und der Vernichtung grause Schrecken schwinden, In ew’ger Einheit sieht mein trunkner Blick Sie mit dem Geist des Weltalls sich verbinden; Da sieht er sie ein gränzenloses Glück,
Da ist kein Gott vom Sterblichen verschieden, Ein Wesen lebt, erfüllt von seel’gem Frieden. O weilet, weilt, ihr holden Phantasieen, Ihr aus der Liebe heil’ger Gluth entfaltet,
Des Innern Chaos wieder neu gestaltet. [57] Laßt da der Freude Blumen wieder blühen, Wo jetzt des Grames düstre Herrschaft waltet. — Doch zum Olymp, wo sie herab gestiegen,
Amanda’s Bild entringt sich meiner Brust, Und flieht hinauf zu heimatlichen Sternen. Da zieht von mir den weichen Arm die Lust, Und folgt ihr nach in gränzenlose Fernen.
Und nichts vermag das Dunkel zu entfernen, Das mich umgiebt — des heissen Sehnens Quaal, Der Liebe Schmerz verschlingt der Hoffnung Strahl. Sie liebt mich nicht — Das fühl’ ich in mir toben,
Ein sterblich Weib, aus irrd’schem Stoff gewoben, Ist sie dem Chor der Götter angereiht. Hoch über mich ist sie empor gehoben, Und lebt in seel’ger Abgeschiedenheit;
Sich selbst hervor aus ihres Busens Tiefen. [58] Ein hohes Wesen, in sich selbst zufrieden, In ew’ger Jugend blühend, ewig alt, Kann nicht des Lebens Fessel sie ermüden,
Und eine Fremdlingin scheint sie hinieden, Und jeder staunt der himmlischen Gestalt, Verweilt von fern, beschaut ihr schönes Leben, Sein eignes Herz zum Schönen zu erheben.
Denn jeder ahnt ein überirrdisch Wesen, Und jedes Herz füllt stille Ehrfurcht an, Von jedem Triebe fühlen sich genesen, Die ihres Friedens ew’ge Klarheit sahn —
Mit unserm Seyn, mit unserm Leben schalten Nach eigner Willkühr höhere Gewalten. Mein Genius befahl: Du sollst dein Leben Der Grazie der stillen Wehmuth weihn.
Und bloß der Sehnsucht irre Kraft sey dein. Hin nach Amanden sollst du ewig streben, Und sollst ihr Herz nur rühren, nicht erfreun. [59] Die Liebe soll in deinem Blick sich spiegeln,
So streb’ ich denn, und finde nirgends Frieden — Oft klagt mein Leid dir thränenvoll mein Blick, Oft scheint mir deine Thräne zu gebieten: O hoffe! bald erblüht dir Lieb’ und Glück.
Doch deine Göttlichkeit treibt mich zurück Aus der Begeistrung lichterfüllter Sphäre, In meines düstern Wesens grause Leere. Und aus dem Leben treibt mit raschen Schlägen
Doch gähnt die Gruft mir fürchterlich entgegen, Auch hinter ihr erblick’ ich Leid und Thränen. Des Lebens Haß kann mir nur Quaal erregen, Kann mit des Todes Graus mich nicht versöhnen;
Mir ihres Trostes Linderung versagen. [60] Die Flur ist todt, der grimme Nordwind brüllt, Am nahen Felsen brechen sich die Wogen, Von schwarzen Wolken ist der Mond verhüllt,
Von Schmerz und Wuth ist die Natur erfüllt, Als hätte sie wie mich ein Gott betrogen, Hinaus zu dir, o zürnende Natur! An deinem Busen find’ ich Labung nur.