Ob du auch wunderseltsam bist

by Emil Prinz Schönaich-Carolath (1852–1908) · 1878 German

Ich lasse nimmermehr von dir -
Grad' weil dein Herze dunkel ist,
Bist du so lieb und theuer mir.

Was klar und offen wie der Tag,
Ist Gut, was Jedem angehört,
Nur was sich tiefer bergen mag,
Bleibt vom Gemeinen ungestört;

Denn Wen'ge haben nur den Muth,
Hinabzugehn zum tiefen Schacht,
Um eines edlen Steines Glut
An's Licht zu ziehn aus ew'ger Nacht,

Und Wen'ge tauchen in das Meer
Mit kühnem Sinn und ruhevoll
Nach jener Perle, licht und hehr,
Die einst ihr Leben schmücken soll.

Aus: Lieder an eine Verlorene
von Prinz Emil von Schönaich-Carolath
Stuttgart Leipzig Eduard Hallberger 1878 (S. 12)

_____

More poems by Emil Prinz Schönaich-Carolath

  • An ...

    Ich sah dich still durch meine Jugend schweben,
    Sie sagten All', du sei'st herabgekommen
    Aus bess'rer Welt, zu leuchten meinem Leben. …
  • Deine Lippen nenn' ich gerne

    Deine Lippen nenn' ich gerne
    Schöner als die schönste Rose,
    Und viel heller als die Sterne …
  • Der Mond geht unter hinter fernen Höhen

    Der Mond geht unter hinter fernen Höhen,
    Rotdunstig taucht er tief ins große Wasser,
    Die Heide trieft, getränkt von Regenböen, …
  • Der Sturmwind braust über's dunkle Meer

    Der Sturmwind braust über's dunkle Meer
    Und treibt seine Wogen himmelwärts
    Zu wildem Ringen, zu Kämpfen schwer - …

All poems by Emil Prinz Schönaich-Carolath →