Der Südwind rauscht durch die Cypressen

by Emil Prinz Schönaich-Carolath (1852–1908) · 1878 German

Die Luft ist warm, der Himmel trüb -
Wie könnt' ich jemals dich vergessen,
Du mein verlor'nes, süßes Lieb?

Es soll der Wind hingeh'n nach Norden
Und brausen um das graue Haus,
Und sagen: Frühling ist's geworden,
Du junge Braut, das Leid ist aus.

Der Eine sieht auf seine Schmerzen
Zurück mit süßem, stillem Weh:
Es schmolzen längst in seinem Herzen
Der letzte Groll, der letzte Schnee.

Er hat dir gut und gern vergeben,
Will stets dich lieben still und treu
Und beten, daß dein irdisch' Leben
Hienieden groß und glücklich sei ...

Der Südwind rauscht durch die Cypressen,
Die Luft ist warm, der Himmel trüb' -
Wie könnt' ich jemals dich vergessen,
Du mein verlor'nes, süßes Lieb?

Aus: Lieder an eine Verlorene
von Prinz Emil von Schönaich-Carolath
Stuttgart Leipzig Eduard Hallberger 1878 (S. 57-58)

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