Beirrt vom kalten Geiste der Erfahrung

  Beirrt vom kalten Geiste der Erfahrung,
Der mit des Zweifels Pein die Seele plagt,
Hab ich mir deine Nähe lang versagt,
Und nahm vor dir mein Auge in Verwahrung.

Aus deinem Anblick schöpft die Liebe Nahrung;
Ich sehe dich, der Glaube kehrt zurück,
Der alten Träume wonnevolles Glück:
Dein Angesicht ist ihre Offenbarung!

Die adelige Linie deiner Glieder,
Die rein vom Scheitel zu den Sohlen fließt,
Der sanfte Mund, das Auge, das die Lider

In nachdenklichem Sinnen leicht beschatten -
Sie preisen dich, wie du im Innern bist,
Wie meine Träume dich verkündigt hatten.

Collection: 
1908

More from Poet

  •   Die unser Teil in Schicksalstagen waren,
    Erlebnisse, die unser Los gebracht,
    Was wir gelitten haben und gedacht,
    Das ist ein Schatz, den wir zusammensparen.

    Beschenke mich mit allem Wunderbaren,
    Du kannst mir geben...

  •  
    Die Liebe treibt mich, rastlos auszuspähen
    Nach dem Verborgnen, das du in dir hegst;
    Ich horche, wenn du kaum die Lippen regst,
    Als könnt' ich, eh' du redest, dich verstehen.

    Dein ganzes Leben möcht' ich rückwärts...

  •   Der du verharrst in gramvoll düstrem Schweigen,
    O möchten dir, wie schwer ich es ertrage,
    Die Tränen künden, die als stumme Klage
    Mir unaufhaltsam in das Auge steigen!

    Mein Herz fühl' ich sich blutend zu dir neigen
    In...

  •   Daß ich nur Freundschaft immer dir verheißen,
    Als fromme Lüge mußt du es verzeihn.
    Pflegt nicht der Himmel gnädig ihr zu sein,
    Wenn sie entsprang aus redlichem Befleißen -?

    Die Heilige dem Unglimpf zu entreißen,
    Die...

  •   Das ist die Stunde, da ich seiner harrte,
    Die Stunde der Erfüllung ach nicht mehr!
    Jetzt meine Feindin, Zeugin jetzt, wie sehr
    Betrogne Hoffnung eine Seele narrte.

    Ich horche, ob die Eingangstür nicht knarrte,
    Ob...