Streiflichter

I.
Waldkonzert - ein Lachen und Neigen -
Man amüsiert oder langweilt sich.
Unter den wehenden, maigrünen Zweigen
Schrittweit getrennt nur: du und ich.

Uniformen leuchten und blitzen,
Heimlich Blicke begegnen sich,
Rings gedrängt die Menschen sitzen,
Aber ich sehe nur dich - nur dich!

Unter den tiefgesenkten Lidern
Sehe ich alles, was dich umgiebt -
Sehe dich lachen, und Grüße erwidern,
Wie es dir eben gerade beliebt. -

Anderer Blicke - hold verführen
Möchten sie mich zu frivolem Spiel, -
Aber nicht 'mal ihr Kokettieren
Macht mir Spaß mehr - und das sagt viel!

II.
Seltsam ist es, mit anzuhören
Weh- und wonnedurchzuckt die Brust,
Wie sie alle zu bethören
Deine holdselige Schönheit gewußt.

"Hylas ist er - und niederziehen
Möchten ihn die Nixen gar gern,
Aber umsonst ist alles Bemühen,
Niemand hat Gnade vor diesem Herrn."

Kühlen Blicks, in vornehmem Schweigen,
Lässig zurückgelehnt - hör' ich es an.
Keiner ahnt, daß du einst mein eigen!
Keine ahnt, daß ich dich gewann!

Ja, du bist schön! ach! Niemand kann wissen
Wie du erst schön, wenn im Waldesgrün
Diese Lippen verführerisch küssen -
Diese Augen leuchten und sprühn.

Niemand kann wissen - in Schmerz und Grimme,
Ach - und in Wonne denk' ich daran:
Wie diese tiefe, süße Stimme,
Flüstern und flehen und schmeicheln kann.

Wie diese Arme so hold umfangen,
Wie es sich ruht auf diesen Knie'n,
Wie diese Stirn und diese Wangen
In Erregung erbleichen - erglühn.
- - - - - - - - - -
Alles dahin! - das süße Schmachten,
Glück und Sehnen - und Blick und Kuß!
- - - - - - - - -
Ach! daß ich dich so tief verachten,
Daß ich so tief dich verachten muß!!

Collection: 
1900

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