Das Glück entfloh uns in dämmernde Fernen,
Mein Lieb - ich soll dich vergessen lernen!
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Uns schied kein Ermüden, uns schied kein Erkalten -
Wir haben uns schluchzend in Armen gehalten,
Wir schritten - wie durch lohende Flammen,
Durch jene Abschiedsstunde zusammen,
Noch einmal vereint - und dann nimmermehr.
Die Zeit ging darüber, öd' und leer.
Und ob mein Herz auch nach dir geschrieen,
Und ob ich geschluchzt auch, auf den Knieen,
Und ob ich empört mich, in wilder Qual,
Gegen Gott und Schicksal wohl hundertmal -
Die Zeit ging weiter unterdessen,
Ich wußte ja doch: ich muß dich vergessen!
Ich muß dich vergessen! Die armen Gedanken,
Ich hielt sie streng in Banden und Schranken,
Die wilden, die freien! gewohnt zu fliegen,
An deine Brust sich zärtlich zu schmiegen,
Ich rief sie zurück aus allen Fernen -
So mußt' ich's doch endlich, endlich lernen!
O Tage voll Qual und heißer Mühe!
Was nützt es, daß ich mir selbst entfliehe?
Schließe ja nur die Augen kaum,
Da kommt mein junger, lachender Traum
Auf bunter, schillernder Schmetterlingsschwinge
Und jauchzt: "Da schau' doch nur, wen ich dir bringe!"
Schon fühl' ich dein Herz an meinem schlagen -
Ach! was nützt nun all das Entsagen? -
Das stolze Wollen - das herbe Müssen
Geht unter in heißen, schauernden Küssen,
Geht unter wie Schnee in Frühlingsfluten,
Wie Nebel in Morgensonnengluten.
Fernher klingt es leise - wie Morgenglocken -
Der Traumgott schüttelt die nachtschwarzen Locken:
Aus seinem Mohnkranz, dem feuerroten,
Fallen die Blüten, die welkenden, toten
Taumelnd, entblätternd auf mich nieder -
Die schimmernden Flügel hebt er wieder - -
Da fahr' ich empor, da bin ich wach!
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Draußen schlägt schwer der Regen aufs Dach,
Der Tauwind klagt in den öden Gassen,
Mein lachendes Glück hat mich verlassen!
Noch zittert mein Herz, meine Pulse klopfen,
All' meine brennenden Wunden tropfen. -
So schleicht der Tag her aus triefenden Fernen -
Und so soll ich "vergessen lernen."