Reinstes Glück, du läßt es mich genießen.
Köstlich sind die Schalen, draus du schenkst,
und wie oft die Ränder überfließen,
nie versiegt, womit du täglich tränkst.
Sage mir, wo füllst du die Gefäße
immer wieder meinem durstigen Mund?
Wenn ich nicht an reichen Quellen säße,
kämst du bald den Schalen auf den Grund.
Doch sie tauchen jeden Abend wieder,
jeden Morgen, in die Bronnen nieder,
die für dich in meines Herzens stillen
Tiefen stark und unerschöpflich quillen.
Mit den feinen Segenshänden übt
Liebe dort das Wächteramt in Treuen,
daß mir nichts die klaren Wasser trübt,
und nicht deine Lippen davor scheuen.
aus: Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke
Erster Band: Herddämmerglück
Hamburg und Berlin Alfred Janssen 1912