Sieh, diese Lilie bring ich dir,
und keiner Rose heiße Glut,
nein, dieser Lilie weiße Glut
und meine Liebe bring ich dir.
Sieh in den keuschen Kelch hinein
und weide dich an seinem Glanz,
an seinem Glanz und deinem Glanz:
kein Spiegelbild kann treuer sein.
Und sieh im weißen Kelchbett tief
den Fruchtstaub, wie er leuchtend ruht,
als ob aus Blut, aus unserm Blut
ein Kronring da zusammenlief.
aus: Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke
Erster Band: Herddämmerglück
Hamburg und Berlin Alfred Janssen 1912