Noctambulatio

by Joachim Ringelnatz

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Noctambulatio

Sie drückten sich schon beizeiten Fort aus dem Tanzlokal Und suchten zu beiden Seiten Der Straße das Gast- und Logierhaus Continental.

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So dringlich: Man hätte können glauben,

Er triebe sie vorwärts wie ein Rind. Und doch handelten beide im besten Glauben. Er wollte ihr nur die Unschuld rauben. Sie wollte partout von ihm ein Kind.

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Da geschah es, etwa am Halleschen Tor,

Daß Frieda über dem Knutschen und Schmusen Aus ihrem hitzig gekitzelten Busen Eine zertanzte, verdrückte Rose verlor. Und ein sehr feiner Herr, dessen Eleganz

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Nicht so rumtoben tut, folgte den beiden.

Jedoch hielt er sich vornehm bescheiden Immer in einer gewissen Distanz. Er wollte ursprünglich zum Bierhaus Siechen. Aber nun hemmte er seinen Lauf,

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Zog die Handschuh aus, hob die Rose auf

Und begann langsam daran zu riechen. Er wünschte aber keinen Augenblicksgenuß; Deshalb stieg er mit der Rose in den Omnibus. Derweilen war Frieda mit ihrem Soldaten

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Auf einen Kinderspielplatz geraten.

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Dort merkten sie nicht, wie die Nacht verstrich,

Und daß ein unruhiger Mann mit einem Spaten Sie dauernd beschlich. Als sich nach längerem Aufenthalt

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Das Paar in der Richtung zur Gasanstalt

Mit kurzen, trippelnden Schritten verlor, Sprang der unruhige Mann plötzlich hervor. Und fing an, eine Stelle, wo er im Sand Die Spur von Friedas Stiefelchen fand,

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Mit seinem Spaten herauszuheben.

Worauf er behutsam mit zitternder Hand Die feuchte Form in ein Sacktuch band, Um sich dann leichenblaß heimzubegeben. Wie um das dümmste Mädchen

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Sich sonderbare Fädchen

Nachts durch die Straßen ziehn – Die Dichter und die Maler Und auch die Kriminaler, Die kennen ihr Berlin.

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