Nie mocht’ ich je so Grausames erleben
[118] Nie mocht’ ich je so Grausames erleben Als sie, in deren Dienst ich mich verzehre; Denn ihr Verlangen ruht in eis’gem Meere, Das meine läßt in Fieberglut mich beben.
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Ach, mir genügt – will keine Gunst sie geben –
Die Schönheit nur zu sehn, die ich begehre; Ich bin beglückt, daß meine Qual sich mehre, Nichts andres macht mir Lust, mein Aug’ zu heben. Nicht ihr – die stets entgegenschaut der Sonnen,
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Verwandelt wandellos noch Minne spendet –
Ward je wie mir so bittres Los gesendet. Wenn, Minne, nie ein Sieg den Kampf beendet Mit ihrem Stolz, eh’ meine Zeit verronnen: Weih’ einen Seufzer aus der Mitleids Bronnen!