Nie mocht’ ich je so Grausames erleben

by Dante Alighieri

[118] Nie mocht’ ich je so Grausames erleben Als sie, in deren Dienst ich mich verzehre; Denn ihr Verlangen ruht in eis’gem Meere, Das meine läßt in Fieberglut mich beben.

5
Ach, mir genügt – will keine Gunst sie geben –

Die Schönheit nur zu sehn, die ich begehre; Ich bin beglückt, daß meine Qual sich mehre, Nichts andres macht mir Lust, mein Aug’ zu heben. Nicht ihr – die stets entgegenschaut der Sonnen,

10
Verwandelt wandellos noch Minne spendet –

Ward je wie mir so bittres Los gesendet. Wenn, Minne, nie ein Sieg den Kampf beendet Mit ihrem Stolz, eh’ meine Zeit verronnen: Weih’ einen Seufzer aus der Mitleids Bronnen!

More poems by Dante Alighieri

All poems by Dante Alighieri →