Nachtgalle

by Joachim Ringelnatz

[67] Nachtgalle Weil meine beiden Beine Erfolglos müde sind, Und weil ich gerade einsam bin, Wie ein hausierendes Streichholzkind,

5
Setz ich mich in die Anlagen hin

Und weine. Nun hab ich lange geweint. Es wird schon Nacht; und mir scheint, Der liebe Gott sei beschäftigt.

10
Und das Leben ist – – alles, was es nur gibt:

Wahn, Krautsalat, Kampf oder Seife. Ich erhebe mich leidlich gekräftigt. Ich weiß eine Zeitungsfrau, die mich liebt. Und ich pfeife.

15
Ein querendes Auto tutet. –

Nicht Gold noch Stein waren echt An dem Ring, den ich gestern gefunden. – Die nächtliche Straße blutet Aus tausend Wunden.

20
Und das ist so recht.

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