Nacht-Lied an Megalinden

by Heinrich Mühlpfort


1.
Ihr Lichter voller Glut /
Ihr Sternen heller Liebes-Flammen /
Schlagt doch in meinem Blut /
Mit eurem doppelt Schein zusammen /
Und brennt diß Herze an;
Das sonst nicht leben kan.

2.
Wie schöne siehet doch /
Die Klarheit aus dem Angesichte /
Ach zeiget euch mir noch /
Mit eurer Strahlen Blitz und Lichte /
Brecht durch die schwarze Nacht /
In ungemeinen Pracht.

3.
Ich wuste mich nicht mehr /
Vor dieser holden Glut zu lassen /
Es funckelt allzusehr
Der Demant aus der Augenstrassen /
Daß ich entzücket bin
Macht meine Herrscherin.

4.
Wie seelig bist du nun /
O Liebste Seele / Megalinde /
Du kanst so sanffte ruhn /
Wann ich den grösten Schmerz empfinde /
Und ohne Licht und Strahl /
Vergeh in Angst und Quahl.

5.
Es ist itzt Mitternacht /
Und alles ligt in Ruh gebunden /
Doch meine Liebe macht /
Daß ich noch keinen Schlaff empfunden /
Sie wünschet dich zu sehn /
Erhöre doch mein Flehn.

6.
Ich armer steh itzt hier /
Und warte deiner mit Verlangen /
Ach! komm doch meine Zier /
Laß dich du Perlen-Kind umfangen /
Und wechsle Kuß um Kuß /
Zum ersten Ankunffts-Gruß.

7.
Will mir der Himmel wohl /
So küß ich dich gedoppelt wieder /
Ein kuß der recht seyn soll /
Besucht der Liebsten Mund und Glieder /
Biß daß er sich vermischt /
Und wieder wird erfrischt.

8.
Doch stille! nicht zu viel /
Die Liebe will verschwiegen bleiben /
Es möchte sonst sein Spiel /
Ein arges Maul darüber treiben /
Mein Schatz ich scheide hin/
Du lebst in meinem Sinn.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 130-132)

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