An Favonien als er Sie zum ersten mahl küste

by Heinrich Mühlpfort (1639–1681) · 1686 German

Diß ist mein erster Kuß / den ich Favonie!
Du schönes Menschen-Kind / auf deine Lippen setze.
Du biß mein Paradieß / in dem ich mich ergötze /
Nun bin ich wohl vergnügt / weil ich so feste steh /
Und dencke weiter nicht / ob jene Angst und Weh /
Durch Unglück meine Lieb / und ihren Lauff verletze.
Wie hoch ich deinen Kuß O Allerliebste! schätze /
Das weiß ein jeder Stern / es weiß es Erd und See.
Das Herze konte sich nicht eh zu frieden geben /
Biß es von deinem Mund / ein Zeichen wahrer Gunst /
Empfangen wie es wolt / nun hat es auch sein Leben /
Zugleicher Gegen-Pflicht entzündt in Liebes-Brunst.
Drum wundre dich ja nicht / wann ich es mehr begehre /
Daß mir dein rother Mund ein Liebes-Pfand gewähre.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 113-114)

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