Nacht IM Walde

by Felix Hübel (1874–1922) · 1907 German

DIE Kiefernstämme ragen steil und schwarz.
Ich liege wie in einem tiefen Schacht,
am Grunde eines Brunnens, den noch keiner maß.
Hoch über mir schweigt dunkelblau die Nacht.

Ich höre dieser Stille rätselvollen Ton:
Sind das die Sterne, die ihr Licht ergießen?
Ein blasses Flimmern rieselt es herab,
ein lautlos Leuchten seh ich abwärts fließen

zu mir! zu mir! der ich im Finstern bin,
so grauenvoll bedrängt von Kerkermauern.
Ich recke meine Hände hoch empor
und fühle Sternenfunken dran herniederschauern. (S. 23)
_____

More poems by Felix Hübel

  • Alte Briefe

    AUS alten Briefen steigt ein zarter Duft.
    Mir ist, als ob mich deine Stimme ruft.
    Du, meines Lebens wunderbarster Traum, …
  • Beim Sekt

    IN meines schlanken Glases bleichem Flimmer
    des Weines perlend ruheloses Blitzen. Seidner Glanz
    des roten Lichts auf meinem Tische gießt geheimnisvollen Schimmer …
  • Bitte

    KANNST du mir deine liebe Hand nicht geben?
    Im Dunkeln stehe ich und bin auch wie
    ein Blinder, der, sich seinen Weg ertastend, …
  • Den Kräften, die sich in mir lösen wollen

    DEN Kräften, die sich in mir lösen wollen,
    kann niemand als nur du Befreiung schenken.
    Drum möchte ich mich ganz in dich versenken: …

All poems by Felix Hübel →