Morsche Fäden

by Joachim Ringelnatz

[148] MORSCHE FÄDEN Zu einem Trödler Kam ein Greis mit einer sauern Gurke, Sprach: „Ich bin ein Gnadenbrötler

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Bei einem Bauern.

Der ist ein Schurke. Diese Gurke bringe ich aus Not. Kleine Knöpfe möchte ich dafür. Denn man kann sich nicht mit Gnadenbrot

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Knöpfe kaufen für die Hosentür.“

Und der Trödlersmann verschmähte Nicht die Gurke noch des Greises Wort, Denn der kam ihm sehr bedürftig vor, Sondern bückte sich und nähte

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Hundert goldne Knöpfe ihm sofort

Eigenhändig an das Hosentor. Und der Greis sprach: „Danke“ und verneigte Sich und ging mit offnem Hosenlatz Selig durch die Straßen, und er zeigte

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Allen Menschen seinen goldnen Schatz.

Bis ihn schließlich ein gewisses Schicksal in ein Irrenhaus berief, Ob Erregung öffentlichen Ärgernisses. Bis er Knöpfe schluckte und entschlief.

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