Mey-Liedchen

by Simon Dach

Komm, Dorinde, laß uns eilen, Nimm der zeiten güt in acht, Angesehen, daß verweilen Selten grossen nutz gebracht, Aber weißlich fortgesetzt Hat so manches paar ergetzt. Wir sind in den frülings-jahren, Laß uns die gelegenheit Forn ergreiffen bey den haaren, Sehn auff diese meyen-zeit, Da sich himmel, see und land Knüpffen in ein heyraht-band. Wenn sich die natur verjünget, Liegt in liebe kranck und wund, Alles sich zu nehmen zwinget, Thut sie frey dem menschen kund, Daß sich er, die kleine welt, Billich nach der grossen helt. Still zu seyn von feld und püschen, Von dem leichten heer der lufft, Da sich jedes wil vermischen, Jedes seines gleichen rufft; Hört man in den wäldern nicht, Wie sich baum und baum bespricht? An den bircken, an den linden Und den eichen nimbt man wahr, Wie sich äst in äste binden, Alles machet offenbahr Durch das rauschen, so es übt, Daß es sey, wie wir, verliebt. Lust betrübt, die man verscheubet, Dieser eyfer, dieser brand, Diese jugend, so uns treibet, Hat nicht ewig den bestand, Zeigt sich wind- und vogel-leicht, Ist geflügelt, kömpt und weicht. (S. 450-451)

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