Mein Lied

by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) (1853–1929) · 1900 German

Die Sehnsucht ist's, die aus mir singt,
Ich bin ihr nie und nie entflohn -
Durch Schluchzen und durch Jauchzen klingt
Immer derselbe irre Ton.

Wen einmal recht sie angeblickt -
Großäugig - dunkel - schmerzensbang' -
Der bleibt von ihrem Bann umstrickt,
Der bleibt ihr Sklave lebenslang'.

Auch durch mein Lied weht schwül ihr Hauch
Und loht wie Flammen daraus her -
Mein bestes Herzblut trinkt sie auch -
Auch ich entrinn' ihr nimmermehr! (S. 1)
_____

More poems by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa)

  • Ahnung

    Das ist ein Blühen und Sprießen: Maisonne und Maienwind!
    Aufleuchtend durch die Wiesen des Stromes Silber rinnt,
    Aufjauchzend zum Himmel, dem blauen, klingt rings der Vögel Lied, …
  • Allerseelen

    Vom Himmel erster, zarter Flocken Fall,
    Und dennoch Blüten, Blüten überall,
    Als wär' erwacht der Frühling, licht und warm; …
  • Bald!

    Im Sterbepurpur steht der Strauch,
    Still atmen die Wellen im Hafen.
    Mein zitterndes Herz, nun rüste dich auch …
  • Bei dir

    "Ich habe dich gar zu, gar zu lieb!"
    Du flüsterst es leise mit lächelndem Mund.
    Gieb deine Lippen! Deine Seele gieb …

All poems by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) →