Madame

by Rene Schickele (1883–1940) · 1920 German

Er:
Löst Eure Flechten, Madame! Der Mund, wenn
die Finger im Sturme irren, lacht.
So strahlen Eure Zähne wie Blickfeuer in der Meeresnacht.
So gleicht Euer Mund einer fleischigen Frucht, die springt ...
Und Euer Höschen, Madame, das Höschen singt.
Wie dreitausend Nachtigallen, ganz kleine, schneeweiße,
die sich auf einer einzigen Birke wiegen
und zitternd, singend sich aneinanderschmiegen.

Ich will, daß ihre Sehnsucht, halb Flamingo, halb Geier,
wie um einen glanzerstarrten Weiher,
ein schluchzender Planet, um den Mondball kreise ...
um Euren Leib. Und nein, eure Schenkel, Madame, die sind die Welt,
die schmelzend unter lauter Sternenregen zusammenfällt. (S. 66)
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