LXIV. An Eugenien

by Andreas Gryphius


Ich lebe, wo man den mit recht kan lebend nennen,
Der sonder geist verfällt in bitter-süße pein.
Die seel ist außer mir und sucht den glantz allein
Der augen, die mir nur zu angenehme brennen.
Was kan in meiner nacht ich als die stern erkennen?
Holdseligst! ihr gesicht, der wunder-helle schein,
Erleuchtet diß gemüth, das (geht die welt schier ein)
Kein schwefel-lichter blitz wird von dem vorsatz trennen.
Lasset nord und wetter toben! weil mir diese rosen blühen,
Schreckt mich keiner winter rasen. Lasst die heiße sonn entfliehen,
Mir ist die abend-lufft weit lieber als der tag.
Ob die zunge nicht mehr schwatzet, die nie ein end-urtheil spricht,
Treugt doch der entfärbten wangen lieblich abendröthe nicht.
Die redet mir zu wohl, die schweigend reden mag.
(Sonette Das fünfte Buch S. 194)

More poems by Andreas Gryphius

All poems by Andreas Gryphius →