Liebeszuruf

by Karl Philipp Conz

Liebeszuruf.


     Der freche Tag ist hingegangen,
Verschämt der Abend niedersinkt,
Wo, stille Küsse zu empfangen,
Mir die verschämte Liebe winkt.

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     Gemach! – Bald[1] webt die Dämmrung dichter

Sich über Flur und Straße hin –
Daß nicht die gaffenden Gesichter
In ihrer Neugier Netz uns ziehn!
     Wie viel der Himmel gutes spendet;

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Das schönfte doch ist, was in Nacht

Verhüllet, seine Huld uns sendet,
Wenn uns beglückte Liebe lacht.
     Zur duftenden Holunderstätte
Im Gärtchen winkt die kleine Thür’,

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Und meine liebe blonde Nette

Huscht schon hervor und späht nach mir.
     Mein Abendstern ist angebrochen:
Was kümmert der dort oben mich?
Wohlauf mein Herz mit frohem Pochen!

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Die Liebe selber leitet dich.

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