Liebende

by Gertrud Kolmar

Ihre Leiber standen in den Abendschatten licht,
Schmal und hoch, von schimmerloser Bleiche :
Blütenzweig, den Lieb für Liebe bricht,
Windgewiegt und taugeküßt am Teiche.

Stern um Stern kroch übers Dach sie anzusehn,
Und die Schar der zarten Wolkenlämmer
Flockte zögernder in lindem Wehn :
Ihre Leiber standen licht im Dämmer.

War das Eine kurzen Weg hinabgeeilt,
Riefs das Andre um mit stillem Schauen;
Feiner Falterflügel, zwiegeteilt,
Schleierblaß, verwuchsen sie im Grauen.

Leise, wie ein Stückchen leichter Tag,
Sind sie dann in Nacht und Gras gegangen. -
Und die braunen Hasen im Verschlag
Äugten wundernd durch die Gitterstangen. (S. 85)
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