Kuttel Daddeldu im Binnenland
Schlafbrüchige Bürger von Eisenach Tapsten ans Fenster. Denn draußen gab’s Krach. Da sang jemand, der eine Hängematte Und ein Geigenfutteral auf dem Rücken hatte.
Sich aufspart für Sturmfahrten im Auslandsgewässer. Zehn Jahre zuvor und von Eisenach sehr entfernt Hatte Daddeldu bei Schwedenpunsch, Whisky, Rotwein und Kuchen In Grönland eine Gräfin Pantowsky kennengelernt,
Und zehn Jahre lang merkte sich Kuttel genau: Eisenach, Burgstraße 16, dicke, richtig anständige Frau. Auch studierte bei Eisenach oder Wiesbaden herum Sein Schwager zolologisches Studium;
Seit Bombay ein seltnes Geschenk herum. Nun, nach dem Untergange der Lotte Bahl, Wollte er Schwager und Gräfin sozusagen Mit zwei Fliegen auf einer Klappe schlagen.
Mit englischen Fragen an. Später mit deutschen. Aber die Gräfin Pantowsky kannte keiner. Und auf einmal las Kuttel an Luvseite „Zum Rodensteiner“ Und kalkulierend, daß dort was zu trinken sei,
Weil weder Wirts- noch Freudenhaus noch Retirade Sich öffneten, sagte Daddeldu: „Schade“. Fand aber weitersteigend und unverdrossen Das Haus Burgstraße 16. Leider verschlossen.
Zersplitterte. Daddeldu hatte beschlossen zu warten. Mittags im Pensionat Kurtius Bewarfen die Mädchen nach Unterrichtsschluß Mit Stöpsels und leeren Konservendosen
Und einem imposanten Revers Zwischen Ästen in Höhe des Hochparterres In einer Hängematte schlief Und nicht reagierte auf das, was man rief.
Weil von zwei Bäumen einer zur Erde krachte, Spritzten die Mädchen dem Manne Eau de Kolon ins Gesicht. Aber die Gräfin Pantowsky kannten sie nicht. Und verwirrt über die Falschheit des Binnenlands
Und taumelte schlaftrunken, römische Flüche stammelnd, zu Tal, Mit Hängematte, doch ohne das Dingsfutteral. Alsbald, von wegen das Taumeln und Stammeln, Begannen sich Kinder um ihn zu sammeln.
Nur um die Kinder zu amüsieren,
Als ob er betrunken wäre. Und brüllte dazu: „The whole life is vive la merde!“
An Gräfin Pantowsky glaubte dort keiner. Und der unglücklich nüchterne Daddeldu Gab den zerbrochenen Rodensteiner, Gab alles andre Gefragte eilig zu
Wie ein Log zwölf Knoten ins hölzerne Lager, Oder vielmehr in die Hängematte. Weil er das schöne Geschenk für den Schwager In der Mädchenpension vergessen hatte.
Und das Geschenk war herausgekrochen Und hatte vielleicht schon wer-weiß-wen gestochen. Später im D-Zug, unter der Bank hinter lauter ängstlichen Beinen, Fing Daddeldu plötzlich an, zum einzigsten Male zu weinen
Beide Flaschen Eau de Kolon waren leer.