Immer wieder Fasching

by Joachim Ringelnatz

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IMMER WIEDER FASCHING

Wenn der Fasching kommt, wird viel verboten. Aber manches wird auch andrerseits erlaubt. Dann wird nicht nur Dienstboten, Nein auch Fürstenhäusern entstammten

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Damen oder Frauen von Beamten

Die Unschuld geraubt. Jeder läßt was springen. Viel ist los. Und vor allen Dingen

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Beine und Popos.

Wenn sich Masken noch einmal verhüllen Mit Phantastik, Seide, Samt und Tüllen, Zeigt sich sehr viel Fleisch und sehr viel Schoß. Daß wir, eh’ wir heimwärtsschwanken,

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Unsern steifen Hut zerknüllen

Im Gedanken: Hätten wir die Hälfte bloß! Also brechen wir auf! Ach nein, bleiben wir noch,

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Bis an ein Loch.

Schließlich löst sich alles doch In Papier auf.

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Man vertrollt sich lärmlich,

Wendet sich erbärmlich,

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Jedermann ein abgesetzter Held.

Draußen Sturm. Es hetzen Über Dächer kalte Wolkenfetzen Unterm Mond. Wir setzen Uns ins Auto, fröstelnd vor dem letzten Geld.

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