Im Sterben

by Hieronymus Lorm

Vom Abendsonnenstrahl ergriffen
Der See wie leise träumend ruht,
Den Traum belauschend Schwäne schiffen
Vorüber auf beglänzter Flut.

Doch dieses Traum's verschwieg'nen Bronnen
Erschließt der Todeswunde Glut;
Was sie erlauscht an stummen Wonnen
Verströmt als Sang mit ihrem Blut.

So taucht mein Herz mit stummer Wonne
In deines Aug's beglänzte Flut,
Wo zitternd wie im See die Sonne
Des ew'gen Licht's Geheimniß ruht.

So wird mein Herz für seinen wilden,
Unausgesproch'nen Liebesdrang
Sich aus unirdischen Gefilden -
Im Sterben holen den Gesang. (S. 10)
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