Im Morgenrot

by Klabund

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Im Morgenrot

Faß fest dein Roß am Zügel, Der Morgen ist erwacht! Stumm hinter jenem Hügel Entgleitet schon die Nacht.

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Sie läßt noch einmal dunkel

Die blauen Schleier wehn – Bald wird des Tags Gefunkel In Blut und Rosen stehn. Wem pflücke ich die Blüten,

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Die mir der Tag verspricht?

O mag uns Gott behüten Vor allzuvielem Licht! Dies Herz, dem Feind geboten, Dies Herz kennt keinen Tod –

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Da es in ewig roten

Unendlichkeiten loht. Mein Mädchen, denkst du deines Freundes in der Schlacht? Dein wildes Herz, o wein es

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Verzweifelt in die Nacht.

Die Tränen werden regnen Und trommeln auf mein Zelt. Ich will den Frieden segnen, Der bei dir Wache hält ...

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Noch glühen allenthalben

Die Rosen rot und tief! Noch flattern hoch die Schwalben, Da kein Gewitter rief. Wir jubeln und wir hoffen

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Und haben festen Stand –

Weit steht der Himmel offen: Freiheit und Vaterland!

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