Ich hab' ein wort geredt / mein kind ich liebe dich /

by Erdmann Neumeister

  Ich hab' ein wort geredt / mein kind ich liebe dich /
Und bistu mir geneigt / so dencke nur an mich;
Doch wenn du dencken wilst / so fang' es heimlich an /
Daß niemand ausser uns die lust verstehen kan.

Die liebe will annoch bey uns verschwiegen seyn /
Drum schleuß die beste lust in deinem herzen ein;
Und ist es dir ein ernst / daß ich dir dienen sol /
So braucht es schlechte müh / nur lieb und schweige wol.

Die welt ist viel zu schlau / ich traue keiner wand /
Darum so bleibe nur von aussen unbekand.
Begehre keinen blick und keinen liebes-gruß /
So lang' ich ingeheim der leute spotten muß.

Die wachen sind bestellt / und wollen etwas sehn /
Doch ihnen zum verdruß soll nicht ein blick geschehn /
Genung / daß du mein kind so weit versichert bist /
Daß die zusammenkunfft nicht hoch vonnöthen ist.

Vielleicht erscheinet bald der angenehme tag /
Daß mein verborgner sinn sich recht erklären mag /
Da wird die schöne lust/ als wie der sonnenschein /
Der auf den regen folgt / verdoppelt lieblich seyn.

Indessen laß mich noch in meiner einsamkeit /
Und halte neben mir die kurze fasten-zeit.
Sol ich gleich itzo nicht in deinen armen ruhn /
Wil ich doch meine pflicht in den gedancken thun.
(Theil 3 S. 80)

More poems by Erdmann Neumeister

All poems by Erdmann Neumeister →