Hochzeitsgedicht

by Simon Dach

Umb die schöne frühlings-zeit, Alß die schöne sommerpracht Gab dem winter das geleit, Und das feld nun war erwacht, Alß die brunnen klar wie glaß Lieffen, gantz umbhült mit graß, Alß ein jeder blumen laß, Als der schäffer aus dem stall' In die wälder weiden gieng, Alß es grünet überall Und der knopffe bäum' empfing, Kam auch Dorilea gehn, Sich im grünen umbzusehn, Und blieb bey sich denckend stehn, Ob sie in ein grünes thal Gienge, da ihr winterleid Mit den blumen ohne zahl Zu vergehn in fröligkeit, Oder in den kühlen wald, Aller schäffer auffentbalt, Zu den quellen mannigfalt. Doch vor aller felder zierd' Hat der garte sie ergetzt, Den selbst Venus auffgeführt Und auff einen berg gesetzt, Der viel schöner rosen tregt, Der so frische quellen tregt Und viel tausent freud' erregt. Dorile die wolt‘ hinauff, Setzt' an ihre macht und sterck', Ob sie durch den schnellen lauff Möcht erklimmen diesen berg; Aber nein, umbsonst es war, Sie fiel rückwärts immerdar, Biß daß sie vermüdet gar. Lieff das feld durch hin und her, Suchte da mit allem fleiß, Ob nicht wo ein schäffer wer' Und gewünschte hülff erweis‘; Über berg und über thal Lieff sie und sucht' überall, Doch war niemand dazumahl. Endlich in dem myrtenstrauch' Hüttet Lucidor der schaff‘, Allda er nach seinem brauch Hielte seinen mittags-schlaff. Er lag in das graß gesenckt, Ward vor liebe, die ihn krenckt, Da mit süsser ruh getrenckt. Dorile wird deß gewar Und erfreuet sich darab, Darff ihn doch nicht wecken gar, Sondern nimbt den hirtenstab, Leufft damit den berg hinan, Meint zu halten sich daran, Doch sie nichtes schaffen kan. Darauff hat sie sich gewandt Wieder zu dem Lucidor, Den sie eben schlaffend fand In dem grase nach wie vor. Nimbt die flöt' aus seiner hand, Dadurch er lengst war bekandt Hin und wieder auff dem land', Und bläst, daß der nechste wald Von der flöthen hellem thon Hoch biß in die lufft erschallt, Ob er möcht' erwachen nun; Doch er kehrt sich nicht daran, Meint im schlaff', es sey gott Pan, Der sonst lieblich spielen kan. Weil nun Dorilea spürt, Daß er nicht erwachen wil, Wiewol sie ihn off gerührt Durch den stab und durch das spiel, Reist sie von ihm mit gewalt Seine kleider dergestalt, Daß er must' erwachen bald. Alß nun Lucidor erblickt Nebenst ihm die Dorile, Ward er gleichsam wie entzückt Und fragt, warumb sie da steh', Auch warumb sie ihn geweckt, Seine kleider ihm entdeckt Und die flöth' und stab versteckt. Sie sprach: Schäffer, laß uns gehn, Da sich jener berg so spitzt, Da die schönen blumen stehn, Da die Venus selber sitzt; Von den rosen bester art, Von den myrten schön und zart Sey ein krantz dir vor gespaart. Auch solstu, mein Lucidor, Sprach sie, mit mir allezeit In dem reyen gehen vor, Auch (wo du mich bringest heut, Wo ich wünsch' anjetzt zu sein) Soltu haben, was allein Lindert deine liebes-pein. Lucidor sprach: Dorile, Ach, wie hastu mich erfreut, Ach, komm eilends, komm; ich geh', Ich verricht‘ es warlich heut, Halte dich nur fest an mir, Ich wil sein in warheit dir Eine leiter für und für. Hiemit kamen sie hinauff, Venus nam sie willig an, Alle nymphen stunden auff, Die göttinne gieng voran. Alß sie sah ihr beyder hertz, Wie es lauter liebes-schmertz, Sprach sie lachend voller schertz: Weil dich Lucidor gebracht Dorile, an diesen ort, Gieb ihm, nur nicht lang bedacht, Das, was du laut deiner wort‘ Hast gesagt; sie nam den krantz, Setze ihm auff und gieng zum tantz, Biß der tag verlauffen gantz. Venus schloß den garten zu, Merckte, wie es war gespielt, Und sprach: Geht nur hin zur ruh, Weil es nur dahin gezielt; Geht nur, geht, ihr liebes paar, Helfft euch also immerdar, Dis sey zeug' ein jedes jahr! (S. 405-409)

More poems by Simon Dach

All poems by Simon Dach →