Hochzeit-Wunsch

by Simon Dach

O, du vormals grünes feld, O ihr püsch und auen, Vor mein pallast und gezelt, Jetzt ein ödes grauen, O ihr bäche, die ihr klar Hinzurauschen pflaget, Da, wo Pan der nymphen schar Offtmals hat verjaget, Meine Phyllis zwingt mich, euch Gutte nacht zu geben, Ihr seyd traurig, tod und bleich, Sie ist gantz mein leben; Euch ist durch des herbstes noht Aller pracht vergangen, Sie ist weiß und sonnen-roht Auff den frischen wangen. Bey euch stürmt es ohne ruh Und in allen hölen, Phyllis weht ein theil mir zu Ihrer edlen seelen; Bey euch muß ohn unterlaß Sich die lufft ergiessen, Sie wird nur von thränen naß Umb die nacht-zeit fliessen. Keine sonne lacht euch an, Ihr gesicht von fernen Ist, was mich ergetzen kan Trotz den lichten sternen. Ich wil in der Phyllis schoß Steten früling führen, Bey euch möcht' ich nackt und bloß Und vor kält' erfrieren. Darumb sol nur sie allein Mir an stat der felder Und an stat der berge seyn; Hie sind meine wälder, Meine brunnen sind allhie, Wo ich ohne leiden Meine seele spat und früe Sicher werde weiden. Kein betrübtes sinnenweh Sol mich hie erschrecken, Ihrer weissen arme schnee Wird mich treulich decken; Mein verliebtes hertze sol Zwischen ihren brüsten, Als den hügeln, welche vol Süsser freude, nisten. Dieses ist mein keyserthumb, Dieß sind meine schätze, Was hat sonst bey mir den ruhm, Daß es mich ergetze? Dieses ist das rechte ziel Meiner müh auff erden; Was mein hertze denckt und wil, Muß mir Phyllis werden. Zeucht ein kauffman hin und her Über stock und steine, Durch die klippen, durch das meer, Durch die wüsten haine, Was er suchet für und für, Und ich kan gedencken, Kan mir meiner Phyllis zier Reicher vorraht schencken. Viel erzwingen ihre lust Auß dem wilden kriegen, Da sie offt in reiff und frost Unterm himmel liegen. Unterm himmel darff ich nicht Reiff und frost ertragen, Gleichwohl giebet mir mein liecht Worumb sie sich plagen. Die sind über leut und land, Reich an schönen städten, Diese muß der flüsse rand, Die das meer anbeten. Meine Phyllis, die mich helt, Kan mich reicher machen, Sie ist mir die gantze welt Bey so schlechten sachen. Andre fallen immer hin Zu des glückes füssen, Es umb ehr' auß eytelm sinn Freundlich zu begrüssen; Nun sich meiner Phyllis gunst An mir hat verliebet, Ist mir aller ruhm ein dunst, Den das glücke giebet. Bey der Phyllis hab' ich mich, Weißheit, dir vermählet, Der hat alles, welcher dich Klüglich ihm erwehlet. Du bey meiner Phyllis bist, Die mich vor dem blitzen, So des glückes eigen ist, Krefftig weiß zu schützen. Phyllis, mein gewünschtes gut, Meine zier und krone, Du, in derer milch und blut Ich am meisten wohne, Komm, uns wil an solchen ort Venus selber leiten, Wo uns keines glückes nort Muß noch kan bestreiten. (S. 414-417)

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