Herzensnacht

by Stefan George (1868–1933) · 1918 German

Das trübe leben das mich umschliesst
Füllt meine seele nicht aus
Sie ist ein einsames haus
Um das ein nebelmeer rings sich ergiesst.

Einmal nur wurde sie mächtig belebt
Als von dem himmel ein licht
Brach durch die neblige schicht
Und durch die düsteren räume geschwebt.

Aber so kurz nur währte das glück.
Unverhofft wie es entstand
Wieder das leuchten entschwand
Und alte finsternis kehrte zurück. (S. 22)
_____

More poems by Stefan George

  • Fenster wo ich einst mit dir

    Fenster wo ich einst mit dir
    Abends in die landschaft sah
    Sind nun hell mit fremdem licht. …
  • Als wir hinter dem beblümten tore

    Als wir hinter dem beblümten tore
    Endlich nur das eigne hauchen spürten
    Warden uns erdachte seligkeiten? …
  • Aus den knospen quellen sachte

    Aus den knospen quellen sachte
    Tropfen voll und klar
    Da das licht auf ihnen lachte. …
  • Das Bild

    Nachdem ich auf steinernen gräbern · an frostigen pfeilern ·
    Gesungen · gewandelt bei würdiger väter zunft:
    Erspäht ich zur vesper hinter den rauchenden meilern …

All poems by Stefan George →