Herbst

by Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) (1853–1929) · 1900 German

I.
Nun sinkt die Welt in Nebelgrau,
Herbstlaub bedeckt die Pfade dicht.
Trüb' schäumt der See, der einst so blau,
Im Sommersonnenlicht.

Und still durch meine Seele zieht
Trotz Winternahn und Sturmeswehn,
Ein selig' Auferstehungslied -
Ein Lied vom Wiedersehn!


II.
Dich wiedersehn! Die Tage gehn
Bald stürmisch und bald still dahin.
Der Regen sprüht, die Winde weh'n,
Grau liegt der Nebel auf den Höh'n,
Schwer liegt ein Ahnen mir im Sinn.
Fast trauriger, als da ich schied,
Blick' ich hinaus in Sturm und Graus,
Die Brust von Sehnsucht wild durchglüht.

So krank, o Gott! so todesmüd',
Ich komm' wohl nimmermehr nach Haus'!
Ich komm' wohl nimmermehr zu dir - -
Sieh! Blätter fallen, welk und dicht -
Der Friedhof liegt im Wege mir!
Ich drücke zitternd an die Thür
Mein thränenüberströmt' Gesicht. (S. 90-91)
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