Erfüllung

by Reinhold Eichacker (1886–1931) · 1925 German

Ich war allein —, und Du warst fern, seit Tagen — —
— in meinen Adern riefen heiße Stimmen,
und meine Augen waren tief und weit.
Ins kalte Dunkel brannten meine Arme
und meine Hände formten aus der Leere
sich Deinen weißen, wonnig-weichen Leib.
Doch Du warst fern, und meine Adern riefen . . .
Mein Herz schlug hart, und meine Glieder brachen
zerstückt von Sehnsucht, die Dein Bild gebar.
Die heißen Lippen suchten Deines Hauptes
erwärmtes Rund in duftend-weichen Kissen,
des Mondes Träume woben Spitzenhüllen
und aus der Stille wuchsen Deine Wunder . . .
— all meine Sinne warteten auf Dich!
Doch Du warst fern, und meine Adern riefen — —
Mein Fleisch ward Schrei, — und meine Lenden spannten
gleich Bogen sich zum Kampfe mit der Nacht,
mein Atem keuchte, meine Fäuste rissen
die Einsamkeit in Fetzen, und mein Hirn
schloß sich im Krampf zu einem einzigen Rufe — — —
— Da ging die Tür . . . du standest auf der Schwelle
im Reisekleid, und grüßtest atemlos.
Und meiner Blicke Starrheit lösend, sagtest Du:
"Ich komme heute schon . . . Riefst du mich, Liebster?" (S. 51)
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