Einer meiner Bürsten

by Joachim Ringelnatz

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Einer meiner Bürsten

Deine Borsten wurden weiche Haare, Meine drohen auszugehn. Zweimal im Verlauf der dreißig Jahre Hab ich dich bewundernd angesehn.

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Einmal, als du ganz neu warst,

Und jetzt, da mein Zufall sich besinnt, Daß die Zeit verinnt und das Gefühl gerinnt. – – Drei Jahrzehnt, in denen du mir treu warst.

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Gibt sich Treue uns so zum Bequemen,
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Daß wir sie als selbstverständlich nehmen,

Dann steht’s schlimm. Schäme ich mich, einen Bart zu küssen, Der jahrzehntelang meinen Dreck hat küssen müssen? Alte Kleiderbürste, Küß’chen! nimm!

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